14.05.2011 | FAHRT NACH DRESDEN | Exkursion
Die ersten Regentropfen fielen bei der Rückfahrt, als die Teilnehmer am Ausflug des Selber Kunstvereins in den Bus stiegen. Doch nicht nur das hatte Organisatorin Hannelore Heyne gut hinbekommen: Ihr Programm für den Tag erfreute auch Dresden-Kenner, da sie die 30 Gäste zu neu eröffneten Kunststätten führte. Bekannt oder nicht: Die baulichen Schätze der inneren Altstadt präsentieren sich in Dresden automatisch, wenn man etwa ins Albertinum strebt.In dem ehemaligen Zeughaus am Ende der Brühl'schen Terrasse kann man nach dem jüngsten Umbau zum „Museum der Moderne“ seit einem Jahr die „Galerie Neue Meister“ besichtigen. Vom zentralen „Lichtsaal“ aus gelangt die Gruppe aber zunächst zu den Skulpturen – die antiken Vertreter gehören zu den berühmtesten ihrer Art und bezeugen in gedrängter Enge, dass die Sammlung „zu groß“ ist und nur als Schaudepot gezeigt werden kann. Gleichwohl vermittelt die Führerin wichtige Merkmale wie Stellung und Proportionen der Menschenkörper, und ihr Nachwirken auf spätere Zeiten: Glaswände gestatten gezielt schon den Durchblick auf Rodins „Denker“ oder „Die innere Stimme“, nackt und weiß wie die alten, aber mit psychologischen Aussagen. Sie stehen im Skulpturensaal zu Beginn einer chronologischen Wanderung bis ins Jahr 2010, die den Weg über Klinger oder Lehmbruck in die immer stärkere Abstrahierung bei Glöckner und Cragg weist. Eine Treppe höher, bei den „Neuen Meistern“, reichen die eineinhalb Stunden nur zu einem Schnell-Durchlauf mit Stationen bei einigen Höhepunkten wie etwa der stattlichen Menge von C.-D.-Friedrich-Bildern. Die Natur in der Romantik als (auch religiöse) Offenbarung ist das Thema, und den „Tetschener Altar“ hat das Museum mit einem Naturprodukt unserer Zeit ganz aktuell umrahmt: Da lehnen zwei polierte Marmortüren von Ai Weiwei, deren Phantasie-anregende Maserung er als Innenleben zutage treten lässt. „Landschaft mit Gleichnis-Gehalt“ bei Ludwig Richter, licht-besessener Impressionismus bei Liebermann sind Stationen, ebenso die sächsische Wiege des Expressionismus, die vier Maler der „Brücke“ mit ihrem direkten, unreflektierten Schaffen. Auf die farbige Sinnlichkeit folgen die traumatischen Bilder der „Kriegsheimkehrer“ Kokoschka und Dix, und ganze Säle sind Baselitz und Richter gewidmet.
Der Nachmittag im Residenz-Schloss: Eintauchen in den repräsentativen Prunk von August dem Starken, inszeniert im „Historischen Grünen Gewölbe“ als Gesamtkunstwerk von Raum, Innenarchitektur und Pretiosen. Nach der Kriegszerstörung kann man sich nun wieder ein Bild von der unfasslichen Prachtentfaltung machen. Doch dann verlangen die Wirbelsäulen nach Muße und finden sie im Wirtsgarten am Elbeufer, unter dem Brücken-Doppelgipfel des „Blauen Wunders“.
Bärbel Lüneberg
Bild: Auf der Brühl'schen Terrasse: die Teilnehmer am Ausflug des Kunstvereins nach Dresden
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